 © Matthias Breuel
Graubünden oder Tessin? - Wilde Wasser für jeden Anspruch
Im Mai oder Juni gehören einige Paddeltage in der Schweiz und Italien für mich alljährlich zum absoluten Pflichtprogramm. Doch jedes Jahr stellt sich wieder die gleiche Frage: Lieber gleich in Graubünden bleiben oder noch schnell über den Alpenhauptkamm ins sonnige Tessin? In manchen Jahren fiel die Entscheidung so schwer, dass wir beide Reviere ganz bequem kombinierten.
 In der Flimser Schlucht des Vorderrhein
Zu Beginn meiner Paddelkarriere war alles noch einfacher: Ohne wenn und aber steuerten wir den Vorderrhein an, denn das Tessin schien uns eigentlich nur für Extremisten geeignet zu sein. Vom ersten Mal an waren wir restlos begeistert. Angefangen vom gemütlichen Campingplatz in Trun direkt am Fluß bis hin zu den perfekten Wasserständen passte in diesen Jahren einfach alles.
 Bizarre Felstürme in der Flimser Schlucht
Die grandiose Flimser Schlucht, auch bekannt als Grand Canyon der Schweiz, faszinierte uns bei jeder Befahrung aufs Neue. Die berühmte Welle "Surf-City" unterhalb des Städtchens Ilanz war noch nicht renaturiert und rundete die Paddeltour von Ilanz bis Versam in perfekter Weise ab. Erst verausgabten wir uns beim Spielen, dann genossen wir die Kulisse der weißen Kreidefelsen der Schlucht und zum Abschluß entspannten wir in der gemütlichen Kneipe "Bahnhöfli" in Versam-Station bei Bündner Spezialitäten oder leckeren Eisbechern. Das gefürchtete "Schwarze Loch", die schwerste Stelle der Schlucht, verursachte bei satt Wasser ordentlich Herzklopfen und am Glenner, einem rassigen Nebenfluß des Vorderrheins mit schiefergrauen Wasser, erreichten wir bei hohen Wasserständen unser Limit.
 Tessin für alle auf der Maggia
Neue Liebe Tessin
Mit der Zeit aber verbesserte sich unsere Paddeltechnik und abgesehen von den beiden Höhepunkten Flimser Schlucht und Glenner verloren die leichteren Strecken der Region für uns etwas an Attraktivität. Erstmalig nahmen wir den weiteren Weg ins Tessin auf uns und wieder waren wir restlos begeistert. Entgegen aller Befürchtungen kamen auch die etwas schwächeren Mitfahrer dank der perfekten Wasserstände auf Maggia und Moesa (ja ich weiß, die Moesa gehört geographisch gesehen zum Misox und damit zu Graubünden!) voll auf ihre Kosten. Vor allem die Maggia mit sanften Schwällen im Kiesbett und wuchtigen Katarakten zwischen großen Felsen übertraf alle Erwartungen.
 Die obere Versasca ist die leichteste Teilstrecke
Die Cracks fanden auf Flüssen wie der bekannten Versasca natürlich sowieso ihr Paradies. Nicht verwunderlich, dass uns auch im folgenden Jahr die glattgeschliffenen Felsen, das herrlich türkise Wasser der Flüsse und die südliche Sonne magisch anzogen.
 Ein weiterer Höhepunkt: Der Ribo
Doch dieses Mal hatte die Sache einen Haken: Die Wasserstände waren deutlich niedriger als im Vorjahr und reichten für die leichteren Flüsse geradeso aus. Im Gegensatz zu den Könnern, die jeden Tag ein neues Highlight entdeckten, war die Auswahl für gemäßigtere Paddler eher eingeschränkt. Ungeachtet aller Vorzüge der Südschweiz zog es die Mehrheit der Gruppe wieder Richtung Vorderrhein.
|