 © Gerd Kassel
Südsee-Feeling in der Wildmark
"Guckt mal da vorne! Sandstrand in Sicht, volle Fahrt voraus!" Der neunjährige Philipp, der seinen schwer beladenen "T-Canyon" nach Anfangsschwierigkeiten gut im Griff hat, setzt sich an die Spitze unserer kleinen Kanuflotte und paddelt zügig auf einen in der Vormittagssonne weiß strahlenden Sandstrand zu, der soeben hinter einer Landzunge aufgetaucht ist. "Juchhu, ich will schwimmen!" kräht Samira und fängt an, ihre Klamotten auszuziehen. Nun gut, denke ich, die Kinder müssen auf so einer Kanutour auch auf ihre Kosten kommen, sonst werden sie schnell mürrisch - so wie ich jetzt! Vor knapp zwei Stunden haben wir erst eingepackt, sind schlappe fünf Kilometer gepaddelt und nun schon wieder Stopp. Seit vier Tagen sind wir auf dem Isteren-See unterwegs und müssten allmählich mal wieder zurück zu unseren Autos, die noch 16 km entfernt in Glötberget stehen. Wir wollen ja nicht ewig auf diesem See rumgammeln. Knirschend bohren sich die Bootskiele in den Sand des flachen Strandes. "O.k., o.k., wir machen eine kurze Pause."
 Der Isteren-See eignet sich bestens für geruhsame Familientouren mit Zeltgepäck
Der von unterschiedlich hohen Gebirgsketten malerisch umrahmte Isteren-See hat neben vielen tiefen Buchten, großen und kleinen Inseln, felsigen Ufern und sauberem Badewasser mehr als ein Dutzend eigentümlich deplaziert wirkende, exotische Strände mit weißem, feinkörnigem Sand zu bieten, einer schöner als der andere. Soeben haben wir ein Prachtexemplar erwischt und es wäre, zugegeben, eine unverzeihliche Sünde gewesen, an dieser einsamen Sandbucht achtlos und in Eile vorbei zu paddeln. Schließlich sind wir in Urlaub und nicht auf der Flucht. Noch so ein paar schlagkräftige Argumente im intimen Zwiegespräch und ich habe meine mürrische Laune erfolgreich bekämpft.
 In warmen, trockenen, mückenarmen Norwegen-Sommern wird das Klischee - nass, kalt, moskitoverseucht - Lügen gestraft
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