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Frankreich: Der Tarn - zu Fuß, mit Fahrrad und Boot (Seite: 1/7)

(3539 Worte insgesamt im Text - 6376 Aufrufe)


Frankreich: Der Tarn - zu Fuß, mit Fahrrad und Boot
© Gerd Kassel

Ein Traumfluss für Kanu-Anfänger

Die Nächte am herbstlichen Tarn sind schon reichlich frisch. Am frühen Morgen bedeckt Raureif den Talgrund und unsere Iglu-Zelte. Winzige, gefrorene Tautropfen glitzern an den Spinnweben und über dem Wasser liegen in geringer Höhe feuchte Nebelschwaden. Sie zergehen erst am späten Vormittag in der Wärme des Tages, wenn die Sonne wieder die Farben des bunten Herbstlaubes aufleuchten lässt. In den Morgen- und Abendstunden ist es besonders reizvoll, hoch zum Canyonrand des Tarn zu wandern oder zu radeln, um zuzuschauen, wie die Sonne morgens die dicke Nebeldecke tief unten im feuchtkalten Tal allmählich auffrisst und abends ihre letzten Strahlen die karge Hochfläche erleuchten, während die Schluchten bereits im Dunkel versinken.

Zu den Highlights der Cevennen gehört der 30 km lange Gorges du Tarn
Zu den Highlights der Cevennen gehört der
30 km lange Gorges du Tarn

Doch sobald der Nebel über dem Flusstal verschwunden ist, wird es höchste Zeit, dass man in die Kanus kommt. Die Tage sind jetzt nur noch kurz am Tarn. Unsere erste Tagesetappe starten wir heute gleich hier am Campingplatz von La Malène bis hin zum Pas de Souci, einem recht spektakulären, unfahrbaren Felssturz. Vorher haben wir die anfängerfreundliche Paddelstrecke über neun Kilometer gemeinsam von der Straße aus erkundet und ein Auto mit Kanu-Anhänger an der Ausstiegsstelle abgestellt. Man muss sich den Ausstieg vor dem Pas de Souci genau einprägen, da ein versehentliches Hineinpaddeln in den gefährlichen Felssturz tödlich ist. Einen herrlichen Blick in diese Flusspassage erhält man vom Roc de la Sourde, wo neben einem Andenkenkiosk eine Aussichtsplattform eingerichtet wurde. Ganz in der Nähe ragt eine alleinstehende, achtzig Meter hohe Felsensäule, der Rocher de l'Aiguille, in den Himmel. Sobald dieser warnende "Zeigefinger" ins Blickfeld der Kanuten kommt, ist der zum Ausstieg zwingende Felssturz nicht mehr weit.

Unsere Paddelneulinge sind schon ganz zappelig und aufgeregt und wollen gleich aufs Wasser. Unsere Kanuflotte besteht heute aus zwei Wildwasserkajaks und zwei robusten Schlauchbooten. Thobias wird sich um den Kajakanfänger Rainer kümmern, Sina sitzt mit Heide in dem kippstabilen Schlauchkanadier "Adventure" und meine Frau Astrid, Samira und ich samt umfangreicher Fotoausrüstung benutzen den bewährten, wildwassertauglichen "Outside", dessen unverwüstliche Gummihaut schon viele Strapazen hinter sich hat.

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