    © Michael Hennemann
Zu Hause hatten sie mich alle für verrückt erklärt. Viel zu lange hatte ich mal wieder die Planung des Urlaubes vor mir hergeschoben und langsam fing ich an, mir Sorgen zu machen. Mein größtes Problem: Ich besaß noch kein geeignetes Kajak für die Tour, denn da ich ausschließlich mit dem Bus reisen wollte, sollte es ein Faltboot sein. Nun wurde die Zeit knapp, doch die Rettung fand ich im Internet. Rechtzeitig bevor es losging, ächzte der Postbote die zwei heiß begehrten Packsäcke die Treppe hinauf. Sofort fand ein Testaufbau im WG-Flur statt, der aufgrund mangelnder Erfahrung im Umgang mit Faltbooten und nicht vorhandener Aufbauanleitung von lauten Flüchen ("Wieso passt das nicht?"), vielen Schweißtropfen ("Das muss da jetzt irgendwie rein.") und Knirsch-Knacks-Lauten begleitet wurde. Nach mehreren Anläufen ("Wieso liegen denn jetzt noch so viele Teile hier 'rum?") war es geschafft und mein Mitbewohner taufte das Boot angesichts der zahlreichen Flicken am Boden mit einem leicht-ironischen bis schwer-zynischen Seitenblick auf den Namen "Sprudelkuh". Ich gab mich gelassen und packte stillschweigend zur Sicherheit ein paar Rollen mehr Tape ins Gepäck. Es war offensichtlich, dass dieses Boot schon einige Flusskilometer auf dem Buckel hatte. Warum sollte es da in Finnland schlapp machen? Nun war es endlich soweit. Nach einer fast zweitägigen Bus-Odyssee von Deutschland nach Kuusamo in Nordfinnland lies ich das Boot ins Wasser gleiten und es schwamm tatsächlich. Ich hatte es ja gewusst. Gehofft? Beschworen!
 Nachtlager am Oulankajoki
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