Durch mehrere verlockend klingende Beschreibungen machten wir uns nach Spanien auf Und zwar zur eigentlich günstigsten Paddelzeit in der ersten Maiwoche ('99). Der Tajo soll, so hörten wir, neben dem Verdon zu den drei schönsten Schluchten Europas gehören. Welches der dritte sein soll, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls ist ein optischer Vergleich mit dem Verdon durchaus angebracht, wenn auch die Tajo-Schluchten bei weitem nicht so tief, so eng und so dramatisch sind. Sportlich sind sie sicher zwei Klassen darunter anzusiedeln. Leider weisen die Beschreibungen sowohl im Pollner-Kalender, wie auch im DKV-Führer einen grosse Fehler auf: Sie sagen nicht, dass 95 Prozent der Strecke zwischen Peralejos und Trillo Wildwasser 0 sind! Die Bewertung der kurzen WW-Abschnitte, die sehr hübsch und willkommen sind, ist in etwa getroffen, wobei leider kein Wasserstandsbezug angegeben wird. Das macht die Angaben beinahe nutzlos.
Zu unserer Zeit trafen wir keinen einzigen Paddler und nur wenige (spanische) Touristen, die am Wochenende aus Madrid herüber kommen. Diese Einsamkeit ist zwar ganz schön, aber für die Autologistik, wenn man, wie wir, nur zu zweit und in einem Auto unterwegs ist, ausgesprochen unangenehm. In dieser Gegend gibt es weder Bahn- noch Buslinien. Also mussten wir sehr aufwendig Räder stellen und das Auto eben allein lassen. Und das ist in Spanien höchst gefährlich.
Um nachkommenden Kanufreunden also Enttäuschungen zu ersparen, hier der kompakte Streckenbericht.
Km 40 - 48: Peralejos de las Truchas (ca. 6 cbm) bis Staubeginn: 600 Meter sehr hübsch gegliedert, Sinterstufen und ein Abfall Wildwasser I bis II, Rest zu 98 Prozent Zahmwasser, traumhaft schöne Felskulissen, darin sind Geierhorste zu entdecken und im Flussbereich, wenn man Glück hat, erspäht man sonnenbadende Nattern oder herrliche Wasserschlangen.
Km 64 - 88: Brücke CM 210, (ca. 10 cbm), bis Paente San Pedro: Ab hier weniger Verwachsungen, aber nach wie vor einfaches Wasser. Bei Kilometer 72 unfahrbarer Blocksturzbereich, bei Kilometer 82 technisch schwieriger Katarakt, Wildwasser III, mit drei hakeligen Möglichkeiten. Naturbelassene Strecke, gemütliches Paddeln mit einigen Längen.
Km 88 - 102: Untere grosse Schlucht, (ca. 12 cbm) Puente San Pedro bis Huertapelayo, (unser Aussatzpunkt, aber die Schlucht geht weiter) Ein Wehr bei Kilometer 91. Ab hier einsame Schluchtstrecken ohne begleitende Wege. Wunderbarer, ursprünglicher Zustand. Einige Stromschnellen, kleine übersichtliche Katarakte, Wildwasser I bis II. Dazwischen reichlich Stillwasser.
Fazit: Genussstrecken auf warmen Wasser bei viel Sonne, kaum Leute, viel Natur und ab und zu etwas Spritzwasser.
Die HKN-Specials, eine Reihe von Beschreibungen (ehemals) recht unbekannter Flüsse, werden in loser Folge fortgesetzt. Der Stand der Beschreibungen ist im jeweiligen Special angegeben. Örtliche Gegebenheiten und Schwierigkeitsangaben können sich mittlerweile geändert beziehungsweise relativiert haben.