Mai 1994: Wir sind im Tessin und es regnet seit Tagen in Strömen. Die Bäche laufen über und, da fast alle Bäche nicht mehr zu befahren sind, entschliessen wir uns den Oberlauf des San Bernardinos zu erkunden. Dieser ist, wie erwartet, bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Wir sind begeistert und nehmen wir uns vor, ihn zu befahren.
Am nächsten Tag, bei strahlend blauem Himmel, das Boot auf der Schulter, wandern wir den Fluss hinauf. Der Wanderweg führt direkt am Fluss entlang. Zunächst geht man links neben einer Wasserableitung bis zu einem Wehr, danach führt der normale Wanderweg weiter. Nach circa vier Kilometern Fussmarsch erreichen wir eine alte Römerbrücke, Ponte di Velina, unterhalb einer unfahrbaren Steilzone. Hier ist unser Einstieg. Der Abstieg zum Bach erfolgt mittels des mitgebrachten Kletterseiles. Nach dem Einstieg geht es auf leichtem Wildwasser weiter. Nach circa 300 Metern müssen wir eine wuchtige Stufe mit unsauberem Unterwasser umheben. Die Schwierigkeiten betragen im allgemeinen Wildwasser IV bis V. Eine kleine Schlucht (rund 70 Meter lang) müssen wir rechtsufrig umtragen, weil eine nicht einsehbare Stufe am Ausgang bei diesem Wasserstand unfahrbar geworden ist.
Es folgt eine sehr lohnenswerte Strecke mit wuchtigen Abfällen. Aufpassen muss man am Wehr, das rechts gut zu umtragen ist.
Da die Wanderung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, sollte man recht früh aufbrechen. Aufstieg, Abseilen und Befahrung werden gut drei bis fünf Stunden betragen. Also viel Spass.
Achtung: Der obere San Bernardino, ist später, auch in der Zeitschrift "Kanu" beschrieben worden. Dies war jedoch mehr eine "Begehung", bei circa 2 m3/s. Unsere Beschreibung bezieht sich dagegen auf einen Pegel von ca. 40 m3/s!
Einsatz: Römerbrücke: Ponte di Velina.
Aussatz: Brücke: Ponte Casletto.
Fahrstrecke: ca. 3,5 Kilometer.
Schwierigkeit: Wildwasser IV bis V, unfahrbar - bei 40 m3/s.
Befahrungszeit: Frühjahr nach sehr starken Regenfällen.
Die HKN-Specials, eine Reihe von Beschreibungen (ehemals) recht unbekannter Flüsse, werden in loser Folge fortgesetzt. Der Stand der Beschreibungen ist im jeweiligen Special angegeben. Örtliche Gegebenheiten und Schwierigkeitsangaben können sich mittlerweile geändert beziehungsweise relativiert haben.