Viele schweizerische Wildbäche fristen leider immer noch ein Schattendasein in der Kanuliteratur. Tatsächlich bieten jedoch die Gletscherbäche des Berner Oberlandes und der Zentralschweiz überaus interssantes Wildwasser.
Die Meienreuss, ein Wildwasserkleinod und linker Nebenbach der Reuss, entspringt in etwa 2000 Meter Höhe aus mehreren Gletschern in der Nähe des Sustenpasses.
Der Bach fliesst in Folge mit viel Gefälle durch ein enges, wenig bewaldetes Tal. Er bildet dabei immer wieder kurze Klammen, die allerdings nur teilweise befahrbar sind.
Nach der letzten Klamm beginnt der lohnenste Abschnitt der Meienreuss. Über einen Wanderweg vom Ort Dörfli aus, erreicht man die Einsatzstelle unterhalb eines Fussgängerstegs. Nach wenigen hundert Metern mündet von rechts ein Nebenbach, der in Folge seines mitgeführten Geschiebes ständig für Veränderungen im Flussbett sorgt. Der sich anschliessende Katarakt erfordert durch sein Gefälle von circa 10% eine präzise Fahrweise (Verklemmungsgefahr, Wildwasser IV bis V).
Ab hier lassen Gefälle und Schwierigkeiten allmählich nach (Wildwasser IV). Eine weitere Engstelle (Wildwasser IV bis V) bildet den Auftakt zu einer kleinen, rund 500 Meter langen Waldschlucht, die jedoch keine wesentlichen Schwierigkeiten birgt (Wildwasser III bis IV).
Ein rechtsufriger Schuttkegel kündigt bald darauf den Schlusskatarakt an (circa 6 %, Wildwasser IV bis V). An einem Wehr mit Wasserableitung wird die Fahrt dann vorteilhaft beendet. Über einen für den öffentlichen Verkehr gesperrten Fahrweg erreicht man von hier aus einen Parkplatz an der Straße, nahe dem Weiler Husen.
Eine gute Befahrungszeit ist der Herbst, wer jedoch kein Freund von feuchten Kellertreppen ist, sollte im Sommer kommen, wenn der Bach seinen Gletschercharakter voll ausspielt. Ein Pegel befindet sich zwar rechtsufrig direkt vor dem Wehr, der Wasserstand sollte jedoch besser mit dem Auge abgeschätzt werden.
Einsatz: Steg unterhalb der Klamm bei Dörfli.
Aussatz: Am Wehr bei Husen.
Fahrstrecke: ca. 2 Kilometer.
Schwierigkeit: Wildwasser IV bis V, je nach Wasserstand.
Befahrungszeit: Herbst (evtl. Sommer, siehe Text).
Sonstiges: Starkes Gefälle, durchschnittlich 7%.
Die HKN-Specials, eine Reihe von Beschreibungen (ehemals) recht unbekannter Flüsse, werden in loser Folge fortgesetzt. Der Stand der Beschreibungen ist im jeweiligen Special angegeben. Örtliche Gegebenheiten und Schwierigkeitsangaben können sich mittlerweile geändert beziehungsweise relativiert haben.