Auch das gibt es auf Korsika: drei Tage Dauerregen. Neuschnee bis auf 500 Meter hinab, braune Höchstwasserstände: Rien ne va plus!
Ostern '88 kommt das Unwetter aus Nordwesten. Kurzentschlossen fahren wir um die Südspitze herum und siehe da: Dort, auf der anderen Seite ist strahlend blauer Himmel. Eine Miniatur-Föhnwetterlage auf dieser Insel der Gegensätze.
Wir kommen über den Cavo. Er ist randvoll mit glasklarem, grünlichen Wasser. Leider wird die Straße längs dem Fluss hinauf immer schlechter, mit unseren Straßen-PKW sind wir nur bis knapp hinter die oberste Brücke gekommen. Dabei führt der Weg noch viel weiter hinauf...
Der Cavo begeistert uns auf Anhieb. Die ersten zwei Kilometer sind sehr wuchtig und fair, es geht über Stufen, Rutschen und Katarakte hinab, dies macht viel Spaß ohne gefährlich zu sein. Oft muss man aussteigen und über den glattgewaschenen Fels ein Stück vorausgehen, um zu schauen, wo die schönste Durchfahrt ist. Alle Stellen sind aber gut fahrbar: Reines Paddelvergnügen in einer auch für korsische Verhältnisse außergewöhnlich schönen Landschaft.
Bald nach der Brücke werden die schweren Passagen seltener. Ab hier können auch schwächere Fahrer zusteigen. Große Laricciokiefern säumen die Ufer, ein fahrbares Wehr, das der Trinkwassergewinnung dient, und dann sind wir viel zu schnell an der Aussatzbrücke der N198. Der Cavo ist ein wunderschöner Wildbach, der ausreichend Wasser vorausgesetzt, zu dauernden Wiederholungen reizt.
Einsatz: So weit wie möglich stromauf!
Aussatz: Brücke der Schnellstraße Bastia-Solenzara (N198).
Fahrstrecke: mindestens 7 bzw. 11 Kilometer.
Schwierigkeit: Wildwasser IV+, III, II.
Wasserstand: Ausreichend nur nach längeren Regenfällen, etwa 10 cbm/s.
Achtung! Bitte respektiert die Anliegen der Einheimischen, die den Cavo als Trinkwasserquelle nutzen. Deshalb sollte man auch nicht im Tal zelten oder sich im Fluß waschen!
Die HKN-Specials, eine Reihe von Beschreibungen (ehemals) recht unbekannter Flüsse, werden in loser Folge fortgesetzt. Der Stand der Beschreibungen ist im jeweiligen Special angegeben. Örtliche Gegebenheiten und Schwierigkeitsangaben können sich mittlerweile geändert beziehungsweise relativiert haben.