Der Afon Goedol steht in einem englischen FIussführer als Beispiel für nicht näher beschriebene Extrembäche und wird selbst unter ortsansässigen Kanuten als Tip gehandelt. Er zählt zwar nicht zu den Flüssen in Wales, die nur nach Regenfällen zu befahren sind, es sind jedoch aufgrund des Tanygrisiau Reservoirs stark schwankende Wasserstände möglich. Wir mussten daher unsere erste Befahrung des Afon Goedol in der ersten Waldschlucht abbrechen, da durch eine plötzliche Wasserstandsänderung die Rückläufe unberechenbar wurden.
Kurz nach einer kleinen, engen Klamm, deren Erkundung lohnend sein dürfte, fällt der Afon Goedol über einen 15 Meter hohen Wasserfall. Bei unserer Befahrung setzten wir einige Meter hinter dem Fall ein. Selbst wenn hier der Wasserstand recht gering erscheinen sollte, so wird er sich für die bevorstehende Strecke als gut erweisen.
Nur eine kleine Gefällstufe ist auf der Fahrt bis zur etwa 500 Meter entfernten Fussgängerbrücke zu überwinden. Wenn der Bach vor der Brücke an Gefälle zunimmt, sollte man dort, spätestens aber unter der Brücke anlanden. Man steht dann vor einem circa sieben Meter hohen Wasserfall. Es scheint, dass der zum Abschluss fast senkrecht abfallende Fels unter Wasser einen Absatz hat.
Nach etwa einem Kilometer im offenen Bachbett gelangt man zu einer kleinen Waldschlucht, an deren Beginn eine schmale Schrägrutsche auf uns wartet. Von hier aus sollte man etwa 250 Meter flussab gehen, um sich ein vor der anschließenden Stufenfolge liegendes Kehrwasser genau einzuprägen. Der Afon Goedol fällt über zwei nebeneinander liegende, gut drei Meter hohe Stufen, in ein gemeinsames Tosbecken. Die linke Route führt durch einen schrägen, engen Schlitz, die rechte über einen senkrechten Abfall. Am Abfluss aus dem Tosbecken beginnt der etwa 20 Meter lange "Flug" über vier, bis zu zwei Meter hohe Absätze. Die ganze Sache ist mit einiger Vorsicht zu genießen, da man bei einer etwaigen Kenterung in eine Unterspülung des Beckens geraten kann.
Von der normalen Aussatzstelle, einer kleinen steinernen Fußgängerbrücke, erreicht man nach etwa zehn Minuten Fußmarsch einen Parkplatz an der Straße.
Wem der Afon Goedol noch nicht genug geboten hat, der kann der letzten Waldschlucht durch ein offenes Bachbett entgegenpaddeln. Zunächst sind die Gefällstufen und Blockpassagen noch vom Boot aus zu übersehen. Wenn die Hänge steiler werden, zwingt der Bach den Kanufahrer aber doch zum Anlanden. Nach einer Umtragung folgt ein schöner 3-Meter-Abfall. Ab hier ist es nur noch eine Frage der "Schmerzgrenze", bis man sein Boot schultert. Am Ausgang der zum Ende hin unfahrbar werdenden Waldschlucht befindet sich eine zweite Fußgängerbrücke, bei der man am linken wie am rechten Ufer das "Abenteuer Goedol" beenden kann. Eine Engstelle nach der Brücke reizt noch zu letzten "Loops, Enters und Pop-Outs". Oberhalb befindet sich, wie zuvor, nach kurzem Fussmarsch ein Parkplatz.
Einsatz: Unterhalb des an der A 496 gelegenen Wasserfalls.
Aussatz: An einer steinernen Fussgängerbrücke unterhalb der Stufenfolge oder nach der letzten Waldschlucht.
Fahrstrecke: 1,5 bzw. 2,5 Kilometer.
Gefälle: 4,4%.
Schwierigkeit: Wildwasser III, IV, V, unfahrbar
Pegel: Nicht vorhanden, Wasserstand an der Stufenfolge abschätzen.
Befahrungszeit: Aufgrund des oberhalb gelegenen Stausees und der engen Passagen recht häufig fahrbar.
Karten: Ordnance Surwey 1:50.000 Landranger 124, Dolgellau and surrounding area Kümmerli & Frey, England-Wales, 1:250.000.
Die HKN-Specials, eine Reihe von Beschreibungen (ehemals) recht unbekannter Flüsse, werden in loser Folge fortgesetzt. Der Stand der Beschreibungen ist im jeweiligen Special angegeben. Örtliche Gegebenheiten und Schwierigkeitsangaben können sich mittlerweile geändert beziehungsweise relativiert haben.