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HKN-Special 08: Vils - Tannheimer Alpen (D/A)

(752 Worte insgesamt im Text - 3611 Aufrufe)


Vils

Fährt man von Kempten nach Füssen, so kommt man in dem Ort Pfronten über einen von rechts heranfließenden, in ein senkrechtes, kanalisiertes Flußbett eingezwängten kleinen Bach - die Vils. Ja nach Jahreszeit und Niederschlagsmenge ist das Wasser entweder glasklar und wenig oder graubraun getrübt und reichlich. Ein Zwischending gibt es eigentlich nicht. Zum Paddeln aber reizt den Betrachter diese "Rinne' allemal nicht. Ein ähnlich trauriges Bild bietet sich dem wassersuchenden Kanuten bei der Fahrt durch das jenseits der Berge in Österreich liegende Tannheimer Tal. Auch hier wurde der kleine Bach vergewaltigt und von selbstherrlichen Wasserbauern in ein klägliches Kanalbett gezwungen. Nur hier und da gelingt es der Natur, Gräser, Blumen und vielleicht einmal einen kleinen Busch über die geometrisch exakt gezogenen Uferkanten wachsen zu lassen. Ein Fluß mehr also, den man aus seinen paddlerischen Tagträumen streichen kann? Keineswegs!

Wenn man im Tannheimer Tal von Tannheim in Richtung Oberjoch-Paß fährt, so kann man nach der Ortschaft Kappl direkt vor dem Grenzübergang nach Deutschland rechts in eine kleine Straße einbiegen. Dieser folgen wir über einen Bach hinweg bis zu einem Gehöft. Danach geht es unmittelbar wieder rechts in einen Weg, der zu einem kleinem Stausee hinunterführt. Am Ende des Sees können die Fahrzeuge links am Berghang in einer Ausbuchtung des Wendeplatzes abgestellt werden. Man befindet sich nun unmittelbar am Vilsfall, einem hohen Wasserfall, der leider zur Energieerzeugung abgeleitet wird. Die landschaftliche Schönheit des Falles ist durch die Ableitung sehr in Mitleidenschaft gezogen, imposant bleibt der Blick hinunter aber doch, zumal wenn nicht alles Wasser ins Kraftwerk geleitet wird. Und genau dann haben wir auch den richtigen Wasserstand zum Bootfahren. Die Wasserabgabe des Kraftwerks (ca. 4-5 cbm/s) reicht für eine Befahrung allein nicht aus. Daher ist eine solche nur im Frühjahr bis etwa Anfang Juni oder nach ausgiebigen Regenfällen möglich.

Man trägt nun die Boote über viele Treppenstufen hinunter und setzt je nach Lust und Laune entweder direkt am E-Werk oder etwas flußauf unter dem donnernden Wasserfall ein. Wenn auch ungefährlich, so ist es doch ein gewaltiger Eindruck, den man so schnell nicht vergißt (siehe Foto). Nach einer kleinen "hakeligen" Stelle neben dem Kraftwerksauslauf geht es auf schnellem aber recht leichtem Wildwasser (I-II) weiter. Der Fluß wird während der ganzen Strecke lediglich von einer gesperrten Forststraße begleitet. Man ist also bis zum Ausbooten absolut allein in herrlicher, unberührter Landschaft. Nach etwa 4 Kilometern kommt kurz nach der Grenze, die durch ein rot-weißes Band gekennzeichnet ist, eine Betonbrücke. Unmittelbar nach der Brücke nimmt das Gefälle rasch zu und die Vils durchbricht einen kleinen Höhenzug in einer etwa 300 Meter langen Waldschlucht, dem sogenannten "Schranzschrofen". Bei niedrigem Wasserstand dürfte das Gefälle in stark verblockten Stufen erfolgen, bei unserer Fahrt aber schoß die Vils mit beeindruckender Wucht durch die Schlucht und bildete kräftige Walzen und Löcher. Wuchtige Stufen laden den, der es mag, zu Kerzen und überschlägen ein. Eine vorherige Besichtigung ist allerdings besonders bei hohem Wasserstand vom linken Ufer aus angeraten (direkt hinter der Brücke anlegen).

Die Schwierigkeiten erreichen etwa den IV. Grad. Wegen der Kürze der Strecke kann man bei Bedarf auch öfter fahren und die Boote jeweils in einem kleinen Fußmarsch auf der Forststraße wieder hinauftragen.

Nach dar Schlucht folgt noch eine kleine Blockstrecke, bevor die Vils wieder leichter, aber nicht minder schnell, durch Wiesen und Auwälder strömt. Beenden sollte man die Fahrt an dem Parkplatz der Vilsmühle (Schochensäge) bei einem Kinderspielplatz. Das Wehr ist "nicht ohne" und sollte nicht unbedingt befahren werden, weshalb man ausreichend weit vorher links anlanden sollte. Der Ausbootpunkt ist nur von Deutschland aus zu erreichen. Es muß beim Umsetzen der Fahrzeuge also ein etwas größerer Umweg über Tannhaim - Grän - Engetal - Pfronten in Kauf genommen werden.

Die Fahrtstreckø auf der Vils beträgt etwa 8 Kilometer (geht recht schnell) Wildwasser I bis II, der "Schranzschrofen" bietet auf etwa 300 Metern Wildwasser III bis IV (lohnend). Wasserführung bei unserer Befahrung ca. 12 cbm/s. Der Fluß steigt bei Regen schnell (Abfluß des Halden- und Vilsalpsees), schönes Gasthaus an der Ausbootstelle.

Vils Lageplan

Text/Foto/Skizze: Michael FischerStand: 12-87

Die HKN-Specials, eine Reihe von Beschreibungen (ehemals) recht unbekannter Flüsse, werden in loser Folge fortgesetzt. Der Stand der Beschreibungen ist im jeweiligen Special angegeben. Örtliche Gegebenheiten und Schwierigkeitsangaben können sich mittlerweile geändert beziehungsweise relativiert haben.

Die Veröffentlichung der HKN-Specials auf Kajak-Channel.de
erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Halbwilden Kajakfahrer Norddeutschland (HKN)
© Alle Bilder und Texte der HKN-Specials sind Eigentum der Halbwilden Kajakfahrer Norddeutschland

  

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