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HKN-Special 05: Sessera - Piemont (I)

(591 Worte insgesamt im Text - 3385 Aufrufe)


Sessera

Das Abenteuer "Sessera" beginnt mit der Anreise. Vom Sesiatal aus fährt man lange den flachen Unterlauf der Sessera empor, steht plötzlich mitten in Coggiola und wundert sich, was man in diesem engen und häßlichen Industrienest eigentlich sucht. Die Aussatzstelle (A2) sollte man sich gut und weit genug oberhalb des Ortskernes merken, ein Parkplatz für das Auto und ein Weg zum Bach ist schwer zu finden.

Um zur Einsatzstelle zu gelangen, muss man einen Umweg nehmen: Zuerst steil hinauf nach Tivaro, dann nach Castagnea. Dort hört die Straße einfach auf. Es folgt ein furchtbar ausgefahrener Schotterweg mit zahlreichen Tunneln, links einer steilen Felswand und rechts einer tiefen Schlucht. An dem Kraftwerk Zegna (E2) wechselt der Weg auf das andere Ufer. Hier sieht man aus nächster Nähe, was einen erwartet. Und man sollte es sich genau ansehen!

Ab einer Natursteinbrücke entfernt sich die "Straße" dann wieder und endet abrupt vor einem Gatter. Von hier trägt man sein Boot einen steilen Trampelpfad zu einer Brücke hinab und setzt ein. Kaum ist die Spritzdecke zu, beginnt der Tango: Stufen, Überschläge und Gumpen wechseln sich ab. Ein fast 4 Kilometer langer Tanz, der nur einmal kurz unterbrochen wird (Achtung!).

Was für eine Landschaft: braunes, glattgeschliffenes Urgestein, steile, oft senkrecht aus dem Fluß aufragende Wände, grüner Urwald und glasklares Wasser, das in einmaligen Stufen, Kataraktan und Rutschen von Tumpf zu Tumpf fällt ...

Erst an der Natursteinbrücke kann die Straße wieder erreicht werden. Ausgesprochene Dauertänzer aber machen weiter.

Ist die obere Sessera ein heißblütiger Tango, so kann man die untere Schlucht ab dem Kraftwerk eher als Standard-Foxtrott bezeichnen. Längst nicht mehr die Rasse und Klasse, dennoch hier und da recht hübsch mit gelegentlichen kleinen Hupfern. Bei viel Wasser wird sie jedoch zu einem wuchtigem Hit. Die Straße ist auch hier nicht mehr erreichbar! Dafür sind die Ufer, zumindest auf einer Seite, immer irgendwie zu begehen. So kann man die schwersten Stellen zur Not auch umheben.

Erst kurz bevor die Häuser von Coggiola zu sehen sind, führt ein kleiner Weg wieder längs der Sessera. Im Ort folgen Wehre und übelriechende Abwasserkanäle. Man bootet also vorher aus. Der Unterlauf ab Coggiola ist nicht mehr lohnend, außer vielleicht bei extremen Hochwasserständen.

Time for Tango ist am besten Ostern bis Pfingsten. Das Einzugsgebiet ist zwar sehr groß, reicht aber nur auf knapp 2000 Meter hinauf. Der Idealwasserstand liegt bei 10 cbm/sec., bei weniger Wasser verliert sie ihren sportlichen Reiz.

Einsatz: Am Gatter (E1). Parkprobleme. Der Pfad beginnt in der letzten Kurve vor dem Gatter. Oder: Kraftwerk Zegna (E2).

Aussatz: Kraftwerk Zegna (A1). Mündung eines manchmal viel Wasser führenden Seitenbachee (fahrbar?). Oder: Am Ortsanfang von Coggiola (A2).

Fahrstrecke: E1 bis A1: 9,5 km, 5 Std. Eine sehr schwere und gefährliche Stelle, der Fluß preßt sich durch einen knapp zwei Meter breiten Kanal mit zwei rückläufigen Stufen. Rechts umheben ist besser. Bei viel Wasser (15 cbm/sec.) unter Umständen Zwangspassagen! E2 bis A2: 4 km, 3 Std. Bei viel Wasser (20 cbm/sec.) herrliches Wuchtwasser ohne Umtragestelle.

Schwierigkeit: Abschnitt 1 Wildwasser V, Abschnitt 2 Wildwasser IV

Sessera Lageplan

Text: Gert Spilker, Foto: Sven GrimpeStand: 05-87

Die HKN-Specials, eine Reihe von Beschreibungen (ehemals) recht unbekannter Flüsse, werden in loser Folge fortgesetzt. Der Stand der Beschreibungen ist im jeweiligen Special angegeben. Örtliche Gegebenheiten und Schwierigkeitsangaben können sich mittlerweile geändert beziehungsweise relativiert haben.

Die Veröffentlichung der HKN-Specials auf Kajak-Channel.de
erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Halbwilden Kajakfahrer Norddeutschland (HKN)
© Alle Bilder und Texte der HKN-Specials sind Eigentum der Halbwilden Kajakfahrer Norddeutschland

  

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