
Viele kommen in den Schwarzwald zum Skilaufen, einige kennen ihn vom Kajakfahren; Schwarzwald-Insidern ist er längst ein Begriff: der Prägbach.
Kaum ein Dutzend Kajakfahrer aber sind bisher seinen Oberlauf gefahren. Selbst wir waren völlig erstaunt, als wir ihn im Frühjahr '85 entdeckten. Durch das Wort "Wasserfall" auf unserer Wanderkarte motiviert, fuhren wir einmal von Präg aus noch weiter hinauf und siehe da, tatsächlich war da direkt neben der Straße ein 9 m hoher Fall, schräge Schanze, tiefer Tumpf...
Kurz oberhalb kann man an einem kleinen Kraftwerk bequem einbooten, es folgen bis zum Fall einige schöne Absätze aber leider auch Baumversperrungen. Den Fall sollte man dann aber wirklich fotografieren, ist er doch der Höchste des Schwarzwaldes, der auch ohne Paddel fahrbar und leicht hinaufzutragen ist. Es erstaunt mich immer wieder, dass dieses kleine Bächlein einen derart tiefen Tumpf schaffen Konnte, dass sogar Langschiffe völlig darin wegtauchen.
Von der anschließenden schönen Waldschlucht sind mir noch eine steile S-Kurve und ein 3 m hoher Schrägabfall mit Felsriegel im Unterwasser (ganz nach hinten werfen, dann geht's) gut im Gedächnis.
Nach 1,5 km wird das Tal breiter, der Prägbach strömt flott durch eine offene Wiesenlandschaft. Im "Ellenbogen" vor Präg durchbricht er dann die zweite Schlucht; mehrere Steilrutschen, ein Autowrack und leider wieder zahlreiche Baumhindernisse sind zu bewältigen. Es münden Schweinebach und Eulenbach von links, so dass er bei der Strassenbrucke (E2) schon zu recht stattlicher Größe angewachsen ist, d.h. man kann mit einem Taifun wenden...
Ab der E2 folgt die Standardstrecke. Zuerst noch ein leichter Wiesenbach, wird er doch in der kleinen Schlucht von Obermättel recht anspruchsvoll. Nach der Forstbrücke hüpft der Prägbach noch einmal drei Meter hinab, dieser Fall bekommt bei viel Wasser einen kräftigen Rücklauf. Bis Gschwend hat man dann wieder Zeit, sich geruhsam die Landschaft anzuschauen. Viel zu schnell gelangt man zum Wehr am Ortsanfang, der Ausbootstelle. Eine Weiterfahrt zur Wiese ist nach Umtragen möglich, bitte das Wehr nicht fahren, es geht davon kaputt!
Einziger Fehler dieses hübschen Kleinodes: Der Einzugsbereich im Skigebiet Grafenmatt auf 1300 m ist sehr klein. Man muss abwarten, bis der automatische Pegel (Tel: 07625/687) einen Wasserstand von über 100 und Tendenz steigend angibt.
Schwierigkeit: Abschnitt 1 Wildwasser III bis IV, Abschnitt 2 Wildwasser II bis III (IV)
Die HKN-Specials, eine Reihe von Beschreibungen (ehemals) recht unbekannter Flüsse, werden in loser Folge fortgesetzt. Der Stand der Beschreibungen ist im jeweiligen Special angegeben. Örtliche Gegebenheiten und Schwierigkeitsangaben können sich mittlerweile geändert beziehungsweise relativiert haben.