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Estrecho: Die Magellanstrasse im Kajak (Seite: 1/5)
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| © Michael Vogeley |
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Die See ging hoch und die Gefahren
waren groß, als Michael Vogeley und Gerhard Miosga erstmals in
zerbrechlichen Faltbooten durch die südamerikanische
Magellanstrasse paddelten und sich damit in eines der schwierigsten
Seegebiete der Erde wagten, die Kap Hoorn-Region. Sie folgten dem
Weg des portugiesischen Entdeckers Magellan, der vor einem halben
Jahrtausend den Weg vom Atlantik zum Pazifik fand und damit den
Schlüssel für die Umrundung der Erde.
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Die Explorador, ein unkomfortables,
aber hochseetüchtiges 15-Meter-Motorschiff, stampft durch die
nasse und kühle Strenge der patagonischen Kanäle. 400 Kilometer von
der letzten menschlichen Ansiedlung entfernt, wollen wir am
pazifischen Eingang der Magellanstrasse unsere Kajakexpedition
starten. Gelassen steuert Kapitän Conrado Alvaraez in den jungen
Sommertag, der den Charme eines regnerischen Novembertages in den
Voralpen versprüht. Karge Sonnenstrahlen blitzen durch den
wolkenverhangenen Himmel. Die See ist ölig, ungewöhnlich ruhig, fast
unheimlich. Kalt. Wir haben unglaubliches Glück.
Hier, im Paso del Mar, ist
ausnahmsweise nicht die Hölle los. Trotzdem versagen unsere
Überredungskünste, als wir Conrado zu motivieren versuchen, uns auf
der anderen, der südlichen Seite abzusetzen. Ihm ist das Risiko zu
groß. Er hat Angst, die enormen Wellen zu kreuzen, die der
pazifische Schwell in die Strasse rollt, und die von der Tide
gebrochen werden. Für ihn ist unser Plan, wie Gott versuchen. Wir
akzeptieren. |
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 Die Magellanstrasse |
| Die Magellanstrasse liegt
zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean. Sie
trennt die Südspitze des südamerikanischen Festlandes von der
Insel Feuerland. Die Meeresstrasse ist 563 km lang und
zwischen 3 und 24 breit. Der portugiesische Entdecker
Ferdinand Magellan befuhr diese Meerenge im Jahr 1520. |
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 Hernando de Magellan |
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Point of no return
Vor uns liegt der wildeste, der
einsamste Teil der Magellanstrasse - sturmgepeitscht, von hohen
Gletscherbergen eingerahmt, von Urwald gesäumt und vom ständigen
Sturm gebeutelt. Wir wollen diesen berüchtigten Seeweg mit zwei
Klepper-Faltbooten, Kajaks, ähnlich wie sie die patagonischen
Ureinwohner benutzten, befahren. Wir sind in den Wildnissen dieser
Erde nicht unerfahren. Doch ist die Strasse auch für uns eine ernste
Herausforderung. Niemals zuvor wurde es gewagt.
Die Explorador verabschiedet sich eilig mit
heulender Sirene. Conrado traut dem Frieden nicht und will so
schnell wie möglich in die geschützten Kanäle zurück. Wir stehen
verloren am Ufer der Punta Havanna, abgenabelt, nur noch uns
verantwortlich. Der Schlüssel zum Durch- kommen sind unsere Kajaks.
Wir sind in der trügerischen Milde unendlich
einsam, ausgesetzt in einer Urlandschaft von beklemmender Herbheit
und verloren in einer Wetterküche voller Überraschungen.
Wir haben Hunderte Kilometer
unberührter Wildnis vor uns - in welche Richtung auch immer. Ein
Zurück gibt es nicht. Am "point of no return" starten wir. |
1520 fand der Portugiese
Hernando de Magellan nach unsäglichen Strapazen und blutigen
Revolten seiner Mannschaft, die den Wahnsinn einer
Weltumsegelung nicht weiter mitmachen wollte, den sagenhaften
Durchschlupf vom Atlantik bis zum Pazifischen Ozean.
Der Westweg nach Indien, zu den reichen
Gewürzinseln und rund um den Globus war offen. Die
Kugelgestalt der Erde wurde bewiesen, das ptolemäische
Weltbild endgültig ad absurdum geführt. Der Schlüssel war die
Bezwingung des "Bollwerks Amerika", das den Weg nach Westen
versperrte. Die Magellanstrasse, ein
Irrgarten aus Inseln, Sunden und Kanälen, wurde zum alles
entscheidenden Durchschlupf. Magellan mutierte durch diese Tat
zu einem der wagemutigsten Seefahrer, den die Geschichte
hervorgebracht hat. Seine Fahrt wurde die herrlichste, aber
auch eine der brutalsten Odysseen in der Geschichte der
Menschheit. Doch Magellan konnte seinen
Triumph nicht auskosten; nur wenige Wochen nach seinem
größten Erfolg wurde er bei einem Gefecht mit Eingeborenen von
einem Speer durchbohrt. |
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© Alle Bilder und Texte sind Eigentum des Autors Michael Vogeley.
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