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Estrecho: Die Magellanstrasse im Kajak (Seite: 1/5)

(4336 Worte insgesamt im Text - 5059 Aufrufe)


© Michael Vogeley

 

   Die See ging hoch und die Gefahren waren groß, als Michael Vogeley und Gerhard Miosga erstmals in zerbrechlichen Faltbooten durch die südamerikanische Magellanstrasse paddelten und sich damit in eines der schwierigsten Seegebiete der Erde wagten, die Kap Hoorn-Region. Sie folgten dem Weg des portugiesischen Entdeckers Magellan, der vor einem halben Jahrtausend den Weg vom Atlantik zum Pazifik fand und damit den Schlüssel für die Umrundung der Erde.

 

   Die Explorador, ein unkomfortables, aber hochseetüchtiges 15-Meter-Motorschiff, stampft durch die nasse und kühle Strenge der patagonischen Kanäle. 400 Kilometer von der letzten menschlichen Ansiedlung entfernt, wollen wir am pazifischen Eingang der Magellanstrasse unsere Kajakexpedition starten. Gelassen steuert Kapitän Conrado Alvaraez in den jungen Sommertag, der den Charme eines regnerischen Novembertages in den Voralpen versprüht. Karge Sonnenstrahlen blitzen durch den wolkenverhangenen Himmel. Die See ist ölig, ungewöhnlich ruhig, fast unheimlich. Kalt. Wir haben unglaubliches Glück.

   Hier, im Paso del Mar, ist ausnahmsweise nicht die Hölle los. Trotzdem versagen unsere Überredungskünste, als wir Conrado zu motivieren versuchen, uns auf der anderen, der südlichen Seite abzusetzen. Ihm ist das Risiko zu groß. Er hat Angst, die enormen Wellen zu kreuzen, die der pazifische Schwell in die Strasse rollt, und die von der Tide gebrochen werden. Für ihn ist unser Plan, wie Gott versuchen. Wir akzeptieren.

 Die Magellanstrasse
Die Magellanstrasse liegt zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean. Sie trennt die Südspitze des südamerikanischen Festlandes von der Insel Feuerland. Die Meeresstrasse ist 563 km lang und zwischen 3 und 24 breit. Der portugiesische Entdecker Ferdinand Magellan befuhr diese Meerenge im Jahr 1520.
 
 Hernando de Magellan
Point of no return

   Vor uns liegt der wildeste, der einsamste Teil der Magellanstrasse - sturmgepeitscht, von hohen Gletscherbergen eingerahmt, von Urwald gesäumt und vom ständigen Sturm gebeutelt. Wir wollen diesen berüchtigten Seeweg mit zwei Klepper-Faltbooten, Kajaks, ähnlich wie sie die patagonischen Ureinwohner benutzten, befahren. Wir sind in den Wildnissen dieser Erde nicht unerfahren. Doch ist die Strasse auch für uns eine ernste Herausforderung. Niemals zuvor wurde es gewagt.
   Die Explorador verabschiedet sich eilig mit heulender Sirene. Conrado traut dem Frieden nicht und will so schnell wie möglich in die geschützten Kanäle zurück. Wir stehen verloren am Ufer der Punta Havanna, abgenabelt, nur noch uns verantwortlich. Der Schlüssel zum Durch- kommen sind unsere Kajaks.
   Wir sind in der trügerischen Milde unendlich einsam, ausgesetzt in einer Urlandschaft von beklemmender Herbheit und verloren in einer Wetterküche voller Überraschungen.

 

   Wir haben Hunderte Kilometer unberührter Wildnis vor uns - in welche Richtung auch immer. Ein Zurück gibt es nicht. Am "point of no return" starten wir.

1520 fand der Portugiese Hernando de Magellan nach unsäglichen Strapazen und blutigen Revolten seiner Mannschaft, die den Wahnsinn einer Weltumsegelung nicht weiter mitmachen wollte, den sagenhaften Durchschlupf vom Atlantik bis zum Pazifischen Ozean.
    Der Westweg nach Indien, zu den reichen Gewürzinseln und rund um den Globus war offen. Die Kugelgestalt der Erde wurde bewiesen, das ptolemäische Weltbild endgültig ad absurdum geführt. Der Schlüssel war die Bezwingung des "Bollwerks Amerika", das den Weg nach Westen versperrte.
    Die Magellanstrasse, ein Irrgarten aus Inseln, Sunden und Kanälen, wurde zum alles entscheidenden Durchschlupf. Magellan mutierte durch diese Tat zu einem der wagemutigsten Seefahrer, den die Geschichte hervorgebracht hat. Seine Fahrt wurde die herrlichste, aber auch eine der brutalsten Odysseen in der Geschichte der Menschheit.
    Doch Magellan konnte seinen Triumph nicht auskosten; nur wenige Wochen nach seinem größten Erfolg wurde er bei einem Gefecht mit Eingeborenen von einem Speer durchbohrt.

 

Zur Website von Michael Vogeley © Alle Bilder und Texte sind Eigentum des Autors Michael Vogeley.
Vervielfältigung und Gebrauch (auch auszugsweise) nur mit schriftlicher Genehmigung.

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